Dienstag, 11. Oktober 2011

Spendenübergabe CBM


Hallo Freunde,

auch in diesem Jahr habe ich mich wieder sehr auf meinen Besuch bei der CBM gefreut. Am 07.10.2011 habe ich mich auf den Weg nach Bensheim gemacht um den Scheck zu übergeben.

Nach einem sehr herzlichen Empfang hat Christian Lohse den Scheck entgegengenommen. Mit der Spende von 500,- € werden im Mengo-Hospital in Kampala/Uganda Kinder am grauen Star operiert und erhalten dadurch ihr Augenlicht wieder. Bis letztes Jahr hat Frau Dr. Erdmann diese Klinik geleitet und für ihren langjährigen Einsatz für blinde Menschen in Afrika das Bundesverdienstkreuz erhalten. Diese Auszeichnung ehrt Frau Dr. Erdmann als außergewöhnliche Person und zeigt gleichzeitig die Qualität der Arbeit, die von der CBM (nicht nur in Afrika) und von den Menschen vor Ort geleistet wird.

Gerade in Entwicklungsländern sind (Seh-)behinderte Menschen auf die Hilfe von Organisationen wie der CBM angewiesen. Da hier kein Sozialsystem vorhanden ist, sind die betroffenen nicht im Stande sind sich selbst zu helfen und haben keine Chance.

Auch in Zukunft werde ich mich mit all meinen Möglichkeiten für die Arbeit der Christoffel-Blindenmission einsetzten und freue mich auf einen tolle Zusammenarbeit.

Wie die Zeit vergeht...

Hallo Freunde,

seit dem Ironman ist schon wieder viel Zeit vergangen und ich habe mich schon länger nicht gemeldet. Es ist einiges passiert und gerne möchte ich euch ein wenig davon berichten.

Aber der Reihe nach :-)

Nach dem Ironman habe ich 2-3 Tage mit meinen Beinen zu kämpfen gehabt, allerdings konnte ich gegen Mitte/Ende der Woche schon wieder normal laufen. Aber auch die Schmerzen konnten mir das Grinsen nicht aus dem Gesicht treiben. Ende August folgte ein zweiwöchiger Entspannungsurlaub in dem ich es tatsächlich nicht geschafft habe, keinen Sport zu machen! Ich hatte keine Sportsachen eingepackt und doch hat es mich so gereizt, dass ich im Hoteleigenen Shop eine "Schwimmbrille" für 1,99,- € gekauft habe. Damit bin ich dann den Strand abgeschwommen. Die Brille hat ihren Zweck erfüllt, bei dieser einen Schwimmeinheit ist es dann
aber geblieben.

Wieder Zuhause habe ich realisiert, dass ich mein großes Ziel erreicht habe.
Ich war/bin froh darüber mir mit dem Frankfurt-Marathon ein nächstes Ziel gesetzt zu haben denn so war das Loch, dass durch das fehlende Training entstanden ist, nicht ganz so heftig.

Mit der ganz großen Frage "Wie geht es jetzt weiter" habe ich mich in den letzten Wochen ausführlich selbst gelyncht und bin zu dem Ergebnis gekommen, das ich vorerst keine Zeit mehr haben werde mich ausreichend (und meinen eigenen Ansprüchen entsprechend) auf einen Ironman vorzubereiten.

Große und kleine sportliche Ziele habe ich mir dennoch gesetzt und so könnt ihr gespannt sein, was ich noch vorhabe :-)

Apropos sportliche Ziele. Aktuell bereite ich mich auf Frankfurt vor und habe in bereits zwei Test-Wettkämpfe erfolgreich absolviert. In Bensheim über 10 Km konnte ich mit 39:53 Min insgesamt 17. von über 1600 Teilnehmern werden. Am vergangenen Sonntag bin ich in München beim Halbmarathon mit 01:28:36 dann 182. von über 7000 Läufern geworden. Beide Veranstaltungen haben mächtig Spass gemacht! Der Zieleinlauf im Olympiastation in München hat auch für 5,5 Grad Außentemperatur entschädigt. Ärgerlich war, dass ich knapp 900 Meter mehr gelaufen bin. Leider lässt sich das bei großen Veranstaltungen nicht vermeiden, da man (aufgrund der Masse an Teilnehmern) nie die Ideallinie laufen kann.

Ich freue mich riesig auf den Saison-Abschluss in Frankfurt und auf Wiedergutmachung nach meiner krankheitsbedingten Absage im letzten Jahr.

Stay tuned,

Daniel

Donnerstag, 28. Juli 2011

Ironman European Championship 2011

Foto by Finisherpix
Hallo Freunde,

am 13. Juli 2009 habe ich hier meinen ersten Blog-Eintrag verfasst. Ich habe damals feierlich bekannt gegeben, dass ich mich aufmache, um in etwas mehr als zwei Jahren ein Eisenmann zu werden. Bei der Gelegenheit habe ich gleich noch meine damaligen Bestzeiten (Swim: 500m/10 Min.; Bike: 30 Km/h; Run: 10 Km/48 Min.) notiert. Zugegeben: Bis auf das Laufen war ich damals etwas großzügig mit den Angaben :-)

Am 24.07.2011 war es dann soweit. Nach 226 Km im Wasser, auf dem Rad und zu Fuss, einer Wetter-Tortour und einem der schönsten Tage in meinem Leben sage ich voller stolz:

Ich bin ein IRONMAN!!!

Es ist einfach unglaublich... und ich bekomme das Grinsen (zum Glück) immer noch nicht aus dem Gesicht. Wenn ich die Medaille ansehe, davon erzähle oder einfach nur darüber nachdenke das ich jetzt ein Ironman bin, überkommt mich eine unbeschreibliche innere Zufriedenheit.

Hätte ich damals, als ich den ersten Blog-Eintrag geschrieben habe, auch nur ansatzweise erahnen können was in diesen zwei Jahren alles passiert, welche Erfahrungen ich mache, welche Grenzen ich kennen lerne, welche Menschen- und neue Freunde ich finde und was ich tatsächlich im Stande bin zu leisten -ich hätte es mir wohl selbst nicht geglaubt... Es ist aber genau das, was diese 2 Jahre ausmachen und warum sie zu einem der schönsten Abschnitte in meinem Leben gehören.

Wenn ich mir all die Medaillen- und die Startnummern ansehe, sehe ich jeden einzelnen Wettkampf noch einmal vor mir und muss schmunzeln. Da sind schöne- und richtig schlechte Wettkämpfe dabei. Glühende Hitze und strömender Regen mit Eiseskälte. Welche die ich gewonnen- und welche die ich nicht gewonnen habe aber trotzdem überglücklich war. Natürlich auch die, die richtig mies gelaufen sind. Vor allem aber sehe ich, dass ich in keinem Wettkampf aufgegeben habe und das jeder einzelne ein unvergessliches Erlebnis war.

Ich bin sehr stolz darauf meine Aktion "Ironman für blinde Kinder" ins Leben gerufen zu haben, mit der ich einigen Kindern das Leben nachhaltig erleichtern und lebenswerter machen konnte!

...das klingt alles so ein wenig nach Abschied und das ist es auch. Mein "Way to Ironman" geht hier zuende, es war ein toller Weg, mein Weg und ich will mir keinen anderen vorstellen!

Wie es weiter geht??? Jetzt geht's erstmal mit meiner Freundin in den Urlaub :-) Im Oktober laufe ich den Frankfurt-Marathon und dann plane ich alles weitere...

Stay tuned,

Daniel

P.S. Viel Spass mit den Wettkampfberichten :-)

Danke!

Ich möchte mich bei all den lieben Menschen um mich herum bedanken, die mich in der Zeit begleitet haben. Die mir die Daumen gedrückt- und mit mir mitgefiebert haben. Die meine Erfolge mit mir gefeiert haben und die für mich da waren, als es mir nicht gut ging.

Es fällt mir schwer in Worte zu fassen was mir das bedeutet! Vielen, vielen Dank für euere Unterstützung!!! Ihr habt diese Zeit zu einer besonderen gemacht und ich hoffe ich konnte euch ein wenig mitnehmen auf meinen Weg.

Auch war es damals- und ist es heute für mich nach wie vor eine unglaubliche tolle Sache, dass ich Sponsoren gefunden habe, die mich auf meinem "Way to Ironman" begleitet haben.

Ich danke Mizuno,mit deren Schuhen ich all meine Lauferfolge gefeiert habe. Ich danke Blueseventy -i swim faster in Blueseventy! Ich danke Suunto, deren Uhren jede Trainings-und Wettkampf-Stunde aufgezeichnet haben. Ich danke Rudy Project mit deren Helmen ich stets sicher und stylisch unterwegs gewesen bin! Ich danke Sponser für die Energiezufuhr und zu guter letzt danke ich Syntace, dank derer ich entspannt auf meiner Zeitfahrmaschine liege.

Vielen Dank für das Vertrauen in mich und mein Vorhaben!!!

Swim - 1:00:02 h

Foto by Finisherpix

Morgens um 03:00 Uhr klingelt der Wecker, nach 4 Stunden Schlaf ist die Nacht vorbei. Draußen ist's noch ganz schön dunkel... Ich habe mir lange genug überlegt wie DER Tag ablaufen wird und so geht alles seinen Gang. Zum Frühstück gibts ein Stück Apfelkuchen, einen Energieriegel und eine Tasse Kaffee. Anschließend schlupfe ich in meinen Tri-Suit und ziehe die restlichen Klamotten an. Um 03:50 Uhr sehe ich vor dem Haus zum ersten mal die Supporter-Crew (Wow, so viele sind so früh morgens nur wegen mir aufgestanden!!!) und schon fahren wir zum Waldsee. Wie geplant sind wir um 04:30 Uhr am See angekommen und mit die Ersten, die an der Wechselzone eintreffen. Kurz noch ein Foto und schon verabschiede ich mich in die Wechselzone.

Mittlerweile ist es hell geworden und obwohl Regen vorhergesagt wurde, ist für einige Minuten strahlend blauer Himmel. Ich komme mit meinem Swim-Beutel am Fahrrad an und auch hier geht alles seinen Gang. Ich deponiere die Getränkeflaschen am Rad, ich richte den Wechselplatz mit Schuhen und zusätzlichen Armlingen ein und auch die extra Wasserflasche (um nach dem Schwimmen den Sand von den Füßen zu spülen) ist platziert. Während ich das alles tue füllt sich die Wechselzone immer mehr und obwohl um mich herum ein wildes Gewusel wie in einem Ameisenhaufen tobt, bin ich ruhig und fokussiert. Mit meinem Bike-Nachbarn Martin aus England spekuliere ich über die Regenwahrscheinlichkeit und erfahre, dass er ebenfalls seinen ersten Ironman macht und seine Aero-Laufräder für unglaubliche 80,- € bei einem "good Friend" erstanden hat... die Engländer :-)

Kurz darauf entschließe ich mich bei meinen Supportern am Zaun vorbei zu schauen um "Tschüss" zu sagen. Nachdem noch der Sieger an mir vorbei gelaufen ist, mache ich mich wieder auf den Weg zum Rad. Ich packe meinen Neo und ein Päckchen Tempo und verschwinde ein letztes mal auf dem Dixi-Klo. Nachdem ich in den Neo geschlupft bin höre ich "noch 3 Minuten bis zum Start der Profi's" -jetzt aber schnell zum Start... Ich gebe meinen Swim-Beutel (den ich nach dem Rennen mit den trockenen eben ausgezogenen Klamotten wieder bekomme) ab und biege auf die letzen Meter zum See. Ab jetzt läuft alles wie im Film... ich sehe die ersten Zuschauer und die Zuschauer sehen mir ins Gesicht. Als ich die Kuppe der Anhöhe kurz vor dem See erreiche, sehe ich nur noch Zuschauer und haufenweise grüne Badekappen. Was für ein Anblick. Ich trete mit den Füßen in den kalten, nassen Sand und im nächsten Moment erklingt die Deutsche Nationalhymne. Peng, die Profis und 300 Agegrouper starten -Gänsehaut pur...

Ich folge dem vorgeschriebenen Weg zur Startline im Wasser und höre "noch 10 Minuten bis zum Start" Ich platziere mich an der linken vorderen Ecke (Danke Ute für den Tipp) in zweiter Reihe und warte. Die Zuschauer klatschen, der Fernsehhubschrauber kreist über dem See... "noch 5 Minuten bis zum Start". Ich checke meine Schwimmbrille, dass kein Wasser einläuft und sehe anschließend, wie die Kajak-Leute (imaginäre Startlinie) in Position gehen. Gleich gehts los und die Spannung bei den Athleten ist zum greifen nahe. Endlich setzten sich die Kajaks in Bewegung. Ich mache noch ein- zwei Schritte und stürze mich ins Wasser. Nach einigen Zügen merke ich, dass ich nach vorne sauber meine Arme durchziehen kann was ich auch tue und nach dem ich an meinen Füßen keine Hände Spüre scheine ich nicht im gröbsten Getümmel gelandet zu sein. Super! Ich schwimme und schwimme und ruck zuck komme ich zur ersten Wendeboje -Kurve nach links. Hier geht es zu, als würde man in einer Lachsaufzucht das Wasser aus dem Teich lassen. Augen zu und durch. Vor- hinter- rechts- und links von mir sind Schwimmer. Zum Glück passiert nichts. Ich schwimme die Stirnseite der ersten Runde sauber zuende und an der zweiten Wendeboje erwartet mich das selbe Spiel. Auch hier komme ich gut durch. Zurück zum Ufer heißt es jetzt und ehe ich mich versehe, steigen kurz vor mir auch schon Leute aus dem Wasser. Ist hier schon der Landgang??? Ich steige kurz aus dem Wasser, gucke auf die Uhr -32 Min. Super!!! -laufe die 20 Meter und springe wieder in die Fluten.

Ich habe keine Probleme mich wieder an den Rythmus zu gewöhnen was nicht selbstverständlich ist. Waagerecht-Senkrecht-Waagerecht verträgt nicht jeder gleich gut. Ehe ich mich versehe schwimme ich schon an der ersten roten Boje (2. Runde) vorbei. Auch hier geht alles glatt und ich denke kurz an den ersten Wechsel. Ende der Stirnseite der zweiten Runde packt mich ein Schwimmer hinter mir am linken Fuss und zieht mich zurück. Das war pure Absicht, denn er wollte sich damit nach vorne katapultieren. In dem Moment bekomme ich in der linken Wade einen Krampf und muss kurz anhalten. Dieser Schwimmer ist jetzt links neben mir und ich habe mich für seine Aktion revangiert... Der Idiot ist weg aber mein Krampf bleibt. Ohne groß nach zu denken drehe ich mich instinktiv auf den Rücken und strecke das linke Bein durch. Der Krampf lockert sich, rolle zurück in Schwimm-Position und weiter gehts. Ab dem Zeitpunkt schlage ich besonders kräftig mit den Beinen sobald sich Hände meinen Fersen nähern. Ohne Probleme geht die letzte lange Gerade zuende und als ich aus dem Wasser aufstehe sehe ich auf meiner Uhr 59:49 Min. stehen. Ich beeile mich ein wenig und gehe bei genau 59:59 Min. über die Zeitmess-Matte. Leider ist der Startschuss wohl 3 Sekunden vor meiner Uhr gefallen und so bin ich offiziell nicht unter einer Stunde geblieben.

Völlig egal -was für eine bomben Schwimmzeit!!! Ich war noch nie schneller! Groß Zeit um darüber nachzudenken habe ich leider nicht. Am langener Waldsee geht es nach dem Schwimmausstieg eine 50 Meter lange Rampe hoch, die ich gehend bewältigt habe.

Auf meine Wechsel kann ich mich verlassen. Raus aus dem Neo, Füße abgewaschen, Socken an, Schuhe an, Brustgurt an, Tri-Top drüber, Armlinge an, Helm auf, Brille auf und die Startnummer angezogen. Nach etwas mehr als 5 Minuten verlasse ich die erste Wechselzone und steige aufs Rad.

Bike - 5:38:45 h

Foto by Finisherpix

Die ersten Meter auf dem Rad sind wirklich klasse. Die Straße, die vom Waldsee wegführt, ist abschüssig und somit rollte es sich auf dem ersten Kilometer von alleine. Ein kurzer Blick auf die Uhr verrät mir, dass ich mich jetzt an das Kurbeln gewöhnen sollte und darauf konzentriere ich mich auch. 13 Kilometer sind es vom See zum Start der ersten Rad-Runde. Diese ersten 13 Kilometer verleiten dazu sehr schnell anzufahren weil total eben. Ich sage mir immer wieder "locker kurbeln" und achte auf den Tacho. Die ersten Radfahrer überholen mich und es beginnt immer heftiger zu regnen.

In Frankfurt angekommen fahre ich kurz am Römer vorbei und dann weiter auf die Hanauer-Landstrasse. Hier merke ich -das wird heute ein langer und kalter Tag. An den roten und weißen Druckstellen an meiner Hand vom greifen des Aerolenkers merke ich, dass ich schon jetzt ziemlich durchgefrohren bin. Kurz schießt mir der Gedanke in den Kopf, wie ich da noch eine zweite Runde fahren soll. Ganz schnell wird der Gedanke wieder weg geschoben und schon bin ich in Bergen-Enkheim angekomme. Bevor es "The Beast" hoch geht kommt nochmal ein richtiger Schauer runter. Ich schalte einige Gänge runter und bleibe meiner Vorgabe (ich könnte schneller fahren) treu. Jetzt komme ich in die Wetterau und eigentlich kommt ein kurzer High-Speed Abschnitt der aufgrund der nassen Strasse und des eisigen Fahrtwindes nicht wirklich High-Speed gefahren werden kann. Es folgt die Kopfsteinpflaster-Passage "The Hell". Mit dem Rad bin ich dieses Stück noch nicht gefahren und so muss ich während der kompletten 500 Meter lachen, weil absolut alles durchgeschüttelt wird und mein Helm an meinen Kopf dotzt :-) Leider verliere ich bei der Aktion beide Trinkflaschen. War mir vorher klar, dass das passieren kann und schockt mich nicht weiter. Es folgt kurz darauf die nächste Verpflegungsstation und der längste bzw. höchste Anstieg auf der Strecke -der Hühnerberg. Hier zieht es sich ein wenig und trotzdem ist der Berg relativ gut zu fahren.

Nun bin ich mitten in der Wetterau und bis Bad Nauheim geht es überwiegend flach. Ich habe mehr mit dem Wetter zu kämpfen als mit allem anderen. Immer wieder fängt es an heftiger zu regnen, was meinen Körper weiter durchfrieren lässt. Ich rede mir immer wieder ein, dass das bald aufhören wird....

Von Bad Nauheim über Friedberg zurück nach Bad Vilbel lässt es sich relativ locker fahren. Da sind nochmal ein bis zwei Hügel in der Landschaft aber alles in allem kein großes Ding. Den "Heartbreak Hill" kannte ich noch nicht und als ich in Bad Vilbel in dem kleinen Kreisel abbog und zum ersten mal da hochguckte, ist mir das Herz schon ein wenig in die Hose gerutscht... Menschen soweit das Auge reicht und das bei dem scheiss Wetter. Unten wird man ja schon angebrüllt und angefeuert aber wenn sich die Strasse oben verengt und man nur noch einen schmalen Gang zum durchfahren, hat ist Tour-de-France-Feeling pur angesagt. Was für ein Erlebnis!!! Oben angekommen muss ich zum ersten mal vom Rad und pinkeln. Ich hatte 85 Km lang schon das Gefühl meine Blase platzt. Weiter gehts nach Frankfurt und die 8 Km von Bad Vilbel in die Innenstadt rollen sich sehr entspannt. Das hat man sich nach dem Heartbreak-Hill auch verdient :-)

In der Nähe der Zeil, mitten in der Stadt, sehe ich zum ersten mal meine Supporter an der Strecke stehen und winke kurz. Super! Jetzt gehts mir gut obwohl ich total durchgefrohren bin. Ich fahre mit dem Rad in den Theater-Tunnel und will gar nicht mehr raus. Da ist es tatsächlich total warm. Leider ist der Tunnel schnell zuende und ich fahre direkt in den Regen. Ab jetzt beginnt die zweite Radrunde.

Hier passiert nicht mehr viel. Ich habe mit einem psychischen Tief zu Beginn der zweiten Runde gerechnet, doch das bleibt aus. Ich freue mich darüber und kurble wie geplant weiter. The Beast, The Hell und der Hühnerberg gehen rum. Zu meiner Freude ist die Wetterau mittlerweile trocken und endlich ist es nicht mehr kalt an den Händen. Wusste ich's doch: Es geht vorbei :-) Ich bin gut drauf und fahre bis Km 160 einen sehr guten Rythmus als mich das Tief dann doch noch kurz einholt. Gegenwind -und was für einer. Auf der Geraden, Abschüssig, 23 Km/h zu fahren ist nicht gut für's Ego nach 160 Km. Aber auch das geht vorbei und nach dem Heartbreak Hill mit anschließender Pinkelpause gehts nach Frankfurt. Ich fülle meine Speicher mit Gel, Riegel und Iso auf und denke "Ok, jetzt noch ein Marathon".

Ich rolle nach Frankfurt und an der Strecke ist die Hölle los. Die Leute, vor allem aber meine Supporter die wieder sehe, brüllen einen in die Wechselzone und schon steige ich vom Rad. Ich merke meinen Rücken, der auf dem Rad noch ein wenig gezwickt hat jetzt nicht mehr, dafür tut mir mein rechtes Knie beim Laufen weh. Ich packe erstmal meinen Beutel und setzte mich ins Wechselzelt. Mit dem freundlichen Helfer gehe ich meine Sachen durch und unterhalte mich über das schlechte Wetter beim Radfahren. Keine 4 Minuten später laufe ich aus dem Wechselzelt...

Run - 4:08:39 h

Foto by Finisherpix

Ich laufe die ersten Meter auf der Strecke und merke, dass mein rechtes Knie schmerzt. Kurz denke ich "endlich hält der Rücken, dann tut was anderes weh". Dem Gedanken gehe ich nicht weiter nach und sage mir, dass das auch vorbei geht.

Die ersten 3 Kilometer auf der Laufstrecke sind der Hammer. Überall Leute und man muss wirklich gucken, dass man nicht zu schnell los läuft. Das gelingt mir, da ich mich an meinem Puls orientiere. Tatsächlich sind die Knieschmerzen nach der zweiten Verpflegungsstation weg. Ich freue mich und laufe über die erste Main-Brücke. Es ist noch nicht übermäßig viel los auf der Laufstrecke und ich nehme an jeder der Verpflegungsstationen wie geplant einen Becher Iso. Das Stück auf der Sachsenhausener-Main-Seite zieht sich, da man hier am längsten gerade aus läuft. Das schöne, am Ende dieser langen Geraden bekommt man sein erstes Bändchen. Super! Jetzt sieht jeder -der ist schon in der zweiten Runde :-) Ich laufe zum ersten mal über die zweite Main-Brücke und wundere mich schon wo meine Supporter sind. Da steht die ganze Bande bei Km 9 und brüllt sich die Seele aus dem Leib als ich vorbei laufe. Ich freue mich riesig und muss einfach nur grinsen!

Das ganze Spiel wiederholt sich relativ unspektakulär auf der zweiten Runde und auch hier fühle ich zwar die Vorbelastung durch das Schwimmen und Radfahren, habe aber zu jederzeit das Gefühl heute ins Ziel zu laufen. Bei jeder Verpflegungsstation gibt's nen Becher Iso und schon gibt's das zweite Bändchen und ich sehe meine Lieben wieder. Moment... da sind doch sogar noch welche dazu gekommen :-)

Die dritte Runde ist deutlich schwerer und das war mir auch klar. Jetzt zeigt mir mein Körper deutlich die Grenzen auf und ich halte mich noch an meine Pulsvorgabe, werde aber spürbar langsamer und muss viel mit mir arbeiten um bei der Stange zu bleiben. Das es im 5 Minuten Takt heftig zu regnen beginnt, tut sein übriges dazu bei. Auf den letzten Aid-Staions nehme ich zum Iso noch eine Cola und irgendwie kämpfe ich mich zum 3. Bändchen durch ohne Gehpausen einzulegen. Wieder sehe ich meine Lieben und diesmal sage ich "beim nächsten mal sehen wir uns am Römer".

Jetzt sind schon sehr viele gehende Läufer auf der Strecke und alles was mich jetzt noch beflügelt ist der Gedanke, es "gleich" geschafft zu haben. In der 3. Runde habe ich beschlossen mich für das Durchhalten zu belohnen und so lege ich an den ersten 3 Verpflegungsstationen der 4. Runde gehpausen ein. Sobald die Verpflegungsstation aufhört, fange ich wieder an zu laufen. Nach 38,5 Km gucke ich auf die Uhr und mit dem letzten verbliebenen Hirnschmalz überschlage ich, dass ich eine Zielzeit von unter 11 Stunden noch packen kann, wenn ich mich jetzt am Riemen reiße. Kaum ist dieser Entschluss gefasst, kann ich wie durch Zauberhand wieder Laufen... ich hole mir das letzte Bändchen und laufe und laufe... ich komme an der letzten Main-Brücke an und hier fängt es noch einemal so richtig heftig an zu regenen. An der letzten Verpflegungsstation nehme ich noch einmal eine Cola und weiß, gleich ist's geschafft. Ich gucke auf die Uhr und freue mich. Auch der Monster Regen kann mich nicht mehr stoppen. Du kannst mir nichts anhaben... :-) Ich laufe durch die letzte Brücke und darf nach der 2. Wechselzone nach rechts abbiegen...

Es folgt ein kurzes Asphalt Stück bevor ich auf den Roten Teppich darf. Hinter mir ist keiner und ich habe genug Zeit. Der Zielkanal ist unbeschreiblich. Ich sehe nur Menschen, vor allem Aber meine Family, meinen Schatz und meine Freunde, dann bin ich auf dem Römer. Es schüttet wie aus Eimern und ich bin für einen kurzen Moment ganz alleine auf dem Platz. Ich sehe das Zieltor und die Zeit die hoch zählt. Mir schießen die Emotionen in den Kopf und ich kann es kaum glauben, dass ich es tatsächlich geschafft habe. Nach 10:56:32 Std. überquere ich überglücklich die Ziellinie und bekomme die Medaille.

Ich bin ein Ironman!