Foto by Finisherpix
Morgens um 03:00 Uhr klingelt der Wecker, nach 4 Stunden Schlaf ist die Nacht vorbei. Draußen ist's noch ganz schön dunkel... Ich habe mir lange genug überlegt wie DER Tag ablaufen wird und so geht alles seinen Gang. Zum Frühstück gibts ein Stück Apfelkuchen, einen Energieriegel und eine Tasse Kaffee. Anschließend schlupfe ich in meinen Tri-Suit und ziehe die restlichen Klamotten an. Um 03:50 Uhr sehe ich vor dem Haus zum ersten mal die Supporter-Crew (Wow, so viele sind so früh morgens nur wegen mir aufgestanden!!!) und schon fahren wir zum Waldsee. Wie geplant sind wir um 04:30 Uhr am See angekommen und mit die Ersten, die an der Wechselzone eintreffen. Kurz noch ein Foto und schon verabschiede ich mich in die Wechselzone.
Mittlerweile ist es hell geworden und obwohl Regen vorhergesagt wurde, ist für einige Minuten strahlend blauer Himmel. Ich komme mit meinem Swim-Beutel am Fahrrad an und auch hier geht alles seinen Gang. Ich deponiere die Getränkeflaschen am Rad, ich richte den Wechselplatz mit Schuhen und zusätzlichen Armlingen ein und auch die extra Wasserflasche (um nach dem Schwimmen den Sand von den Füßen zu spülen) ist platziert. Während ich das alles tue füllt sich die Wechselzone immer mehr und obwohl um mich herum ein wildes Gewusel wie in einem Ameisenhaufen tobt, bin ich ruhig und fokussiert. Mit meinem Bike-Nachbarn Martin aus England spekuliere ich über die Regenwahrscheinlichkeit und erfahre, dass er ebenfalls seinen ersten Ironman macht und seine Aero-Laufräder für unglaubliche 80,- € bei einem "good Friend" erstanden hat... die Engländer :-)
Kurz darauf entschließe ich mich bei meinen Supportern am Zaun vorbei zu schauen um "Tschüss" zu sagen. Nachdem noch der Sieger an mir vorbei gelaufen ist, mache ich mich wieder auf den Weg zum Rad. Ich packe meinen Neo und ein Päckchen Tempo und verschwinde ein letztes mal auf dem Dixi-Klo. Nachdem ich in den Neo geschlupft bin höre ich "noch 3 Minuten bis zum Start der Profi's" -jetzt aber schnell zum Start... Ich gebe meinen Swim-Beutel (den ich nach dem Rennen mit den trockenen eben ausgezogenen Klamotten wieder bekomme) ab und biege auf die letzen Meter zum See. Ab jetzt läuft alles wie im Film... ich sehe die ersten Zuschauer und die Zuschauer sehen mir ins Gesicht. Als ich die Kuppe der Anhöhe kurz vor dem See erreiche, sehe ich nur noch Zuschauer und haufenweise grüne Badekappen. Was für ein Anblick. Ich trete mit den Füßen in den kalten, nassen Sand und im nächsten Moment erklingt die Deutsche Nationalhymne. Peng, die Profis und 300 Agegrouper starten -Gänsehaut pur...
Ich folge dem vorgeschriebenen Weg zur Startline im Wasser und höre "noch 10 Minuten bis zum Start" Ich platziere mich an der linken vorderen Ecke (Danke Ute für den Tipp) in zweiter Reihe und warte. Die Zuschauer klatschen, der Fernsehhubschrauber kreist über dem See... "noch 5 Minuten bis zum Start". Ich checke meine Schwimmbrille, dass kein Wasser einläuft und sehe anschließend, wie die Kajak-Leute (imaginäre Startlinie) in Position gehen. Gleich gehts los und die Spannung bei den Athleten ist zum greifen nahe. Endlich setzten sich die Kajaks in Bewegung. Ich mache noch ein- zwei Schritte und stürze mich ins Wasser. Nach einigen Zügen merke ich, dass ich nach vorne sauber meine Arme durchziehen kann was ich auch tue und nach dem ich an meinen Füßen keine Hände Spüre scheine ich nicht im gröbsten Getümmel gelandet zu sein. Super! Ich schwimme und schwimme und ruck zuck komme ich zur ersten Wendeboje -Kurve nach links. Hier geht es zu, als würde man in einer Lachsaufzucht das Wasser aus dem Teich lassen. Augen zu und durch. Vor- hinter- rechts- und links von mir sind Schwimmer. Zum Glück passiert nichts. Ich schwimme die Stirnseite der ersten Runde sauber zuende und an der zweiten Wendeboje erwartet mich das selbe Spiel. Auch hier komme ich gut durch. Zurück zum Ufer heißt es jetzt und ehe ich mich versehe, steigen kurz vor mir auch schon Leute aus dem Wasser. Ist hier schon der Landgang??? Ich steige kurz aus dem Wasser, gucke auf die Uhr -32 Min. Super!!! -laufe die 20 Meter und springe wieder in die Fluten.
Ich habe keine Probleme mich wieder an den Rythmus zu gewöhnen was nicht selbstverständlich ist. Waagerecht-Senkrecht-Waagerecht verträgt nicht jeder gleich gut. Ehe ich mich versehe schwimme ich schon an der ersten roten Boje (2. Runde) vorbei. Auch hier geht alles glatt und ich denke kurz an den ersten Wechsel. Ende der Stirnseite der zweiten Runde packt mich ein Schwimmer hinter mir am linken Fuss und zieht mich zurück. Das war pure Absicht, denn er wollte sich damit nach vorne katapultieren. In dem Moment bekomme ich in der linken Wade einen Krampf und muss kurz anhalten. Dieser Schwimmer ist jetzt links neben mir und ich habe mich für seine Aktion revangiert... Der Idiot ist weg aber mein Krampf bleibt. Ohne groß nach zu denken drehe ich mich instinktiv auf den Rücken und strecke das linke Bein durch. Der Krampf lockert sich, rolle zurück in Schwimm-Position und weiter gehts. Ab dem Zeitpunkt schlage ich besonders kräftig mit den Beinen sobald sich Hände meinen Fersen nähern. Ohne Probleme geht die letzte lange Gerade zuende und als ich aus dem Wasser aufstehe sehe ich auf meiner Uhr 59:49 Min. stehen. Ich beeile mich ein wenig und gehe bei genau 59:59 Min. über die Zeitmess-Matte. Leider ist der Startschuss wohl 3 Sekunden vor meiner Uhr gefallen und so bin ich offiziell nicht unter einer Stunde geblieben.
Völlig egal -was für eine bomben Schwimmzeit!!! Ich war noch nie schneller! Groß Zeit um darüber nachzudenken habe ich leider nicht. Am langener Waldsee geht es nach dem Schwimmausstieg eine 50 Meter lange Rampe hoch, die ich gehend bewältigt habe.
Auf meine Wechsel kann ich mich verlassen. Raus aus dem Neo, Füße abgewaschen, Socken an, Schuhe an, Brustgurt an, Tri-Top drüber, Armlinge an, Helm auf, Brille auf und die Startnummer angezogen. Nach etwas mehr als 5 Minuten verlasse ich die erste Wechselzone und steige aufs Rad.